
Im französischen Strafrecht stellt ein Schlag mit der Faust eine vorsätzliche Gewaltanwendung gegen eine Person dar. Die Qualifikation hängt nicht von der Stärke des Schlages oder der Absicht, ernsthaft zu verletzen, ab, sondern allein davon, dass absichtlich eine körperliche Beeinträchtigung gegenüber einer anderen Person vorgenommen wurde. Nach dieser Definition variieren die Konsequenzen erheblich je nach den Umständen, dem Profil des Opfers und den festgestellten Folgen.
Strafrechtliche Qualifikation eines Faustschlags je nach Dauer der ITT
Das Strafgesetzbuch klassifiziert die vorsätzlichen Gewalttaten nach der vom Arzt festgestellten totalen Arbeitsunfähigkeit (ITT). Die ITT bezeichnet keinen beruflichen Arbeitsausfall: Sie misst die funktionale Beeinträchtigung, die das Opfer in seinen täglichen Bewegungen erleidet.
Ein Faustschlag ins Gesicht kann eine Nasenfraktur, einen Zahnverlust oder ein Schädeltrauma verursachen. Je nach Schwere kann die ITT von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen reichen, was die Straftat von einem Ordnungswidrigkeit zu einem Verbrechen verschiebt.
- ITT null oder weniger als acht Tage: Ordnungswidrigkeit der vierten oder fünften Klasse, die mit einer Geldstrafe belegt werden kann.
- ITT über acht Tage: Verbrechen gemäß dem Strafgesetzbuch, das mit Freiheitsstrafen geahndet werden kann.
- ITT über drei Monate oder mit dauerhafter Entstellung: die Strafen steigen weiter und können mehrere Jahre Freiheitsentzug erreichen.
Ein oft unbekanntes Detail: Selbst bei völliger Abwesenheit von ITT bleibt ein Faustschlag eine Straftat. Das Opfer muss keine sichtbaren Verletzungen vorweisen, damit eine Verurteilung ausgesprochen werden kann.
Um die rechtlichen Risiken eines Faustschlags besser zu verstehen, müssen auch die Umstände betrachtet werden, die eine einmalige Handlung in eine schwerwiegende Straftat verwandeln.

Verschärfende Umstände: Wann ein Faustschlag zu einem schweren Verbrechen wird
Die Qualifikation von verschärfter Gewalt kommt zur Anwendung, sobald eine oder mehrere im Strafgesetzbuch aufgeführte Umstände vorliegen. In der Praxis sind diese Umstände häufig, und das macht einen Faustschlag rechtlich viel riskanter, als die meisten Menschen denken.
Qualität des Opfers
Eine Person, die eine öffentliche Autorität (Polizist, Gendarm, Richter) oder eine Person, die mit einer öffentlichen Dienstleistung betraut ist (Lehrer, Feuerwehrmann, Transportmitarbeiter), schlägt, zieht automatisch eine Verschärfung der Strafe nach sich. Jüngste Fälle zeigen Festnahmen wegen Gewalt gegen Personen, die öffentliche Autorität ausüben, nach Schlägen während Auseinandersetzungen, selbst ohne Waffe.
Die gleiche Logik gilt, wenn das Opfer ein Ehepartner, ein Ex-Ehepartner oder ein Minderjähriger ist. Häusliche Gewalt ist ein eigenständiger verschärfender Umstand, auch für einen einzigen Schlag.
Verübung in Gruppe oder mit Vorsatz
Ein Faustschlag, der von mehreren Personen (mindestens zwei Angreifern) ausgeführt wird, stellt eine Gewaltanwendung in Gruppe dar. Dieser verschärfende Umstand kommt zu den anderen hinzu und kann eine Strafe von wenigen Monaten auf mehrere Jahre Freiheitsentzug erhöhen. Vorsatz, der bei einem isolierten Faustschlag seltener vorkommt, hat den gleichen Effekt.
Verwendung eines Gegenstands als Waffe
Ein im Faust gehaltenes Objekt (massiver Ring, Schlüssel, Telefon) kann als Waffe umqualifiziert werden. Das Gericht bewertet dies von Fall zu Fall, aber jedes Objekt, das zum Schlagen verwendet wird, kann im strafrechtlichen Sinne eine Waffe werden, was die zu erwartende Strafe erhöht.
Folgen für das Strafregister und das Berufsleben
Eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Gewalt, selbst mit einer Bewährungsstrafe, wird im Strafregister vermerkt. Die Auszüge Nr. 1 und Nr. 2 behalten diesen Vermerk für variable Zeiträume, und der Auszug Nr. 3 (den Arbeitgeber anfordern können) kann ihn ebenfalls je nach verhängter Strafe anzeigen.
Die beruflichen Auswirkungen sind konkret. Berufe im Bereich private Sicherheit erfordern eine Überprüfung des Strafregisters durch die CNAPS (Nationaler Rat für private Sicherheitsaktivitäten). Eine Verurteilung wegen Gewalt erschwert die Erlangung oder Erneuerung der Berufskarte erheblich.
Das gleiche Hindernis besteht für regulierte Berufe: Waffenhandel, kommunale Polizei, Zoll, bestimmte Funktionen im Bildungswesen. Ein Eintrag im Strafregister wegen körperlicher Gewalt schließt den Zugang zu diesen Berufen oft dauerhaft aus.
Über das Strafrecht hinaus kann das Opfer eine zivilrechtliche Klage einreichen, um Schadenersatz für körperliche und seelische Schäden zu erhalten. Die medizinischen Kosten, der Einkommensverlust und der ästhetische Schaden fließen in die Berechnung ein. Der Verursacher des Faustschlags sieht sich dann einem doppelten Verfahren gegenüber: strafrechtlich und zivilrechtlich.

Notwehr und Faustschlag: strenge Bedingungen
Die Berufung auf Notwehr nach einem Faustschlag ist rechtlich möglich, aber die Bedingungen sind kumulativ und selten alle erfüllt.
- Der Angriff muss aktuell oder unmittelbar bevorstehend sein. Ein Schlag, der nach dem Ende der Auseinandersetzung ausgeführt wird, fällt nicht mehr unter die Notwehr.
- Die Gegenreaktion muss verhältnismäßig zur Attacke sein. Auf einen Stoß mit einem Faustschlag ins Gesicht zu reagieren, wird als unverhältnismäßig angesehen.
- Die Verteidigung muss notwendig sein, das heißt, Flucht oder Ausweichen waren nicht möglich.
In der Praxis prüfen die Gerichte jede Situation mit Strenge. Die Beweislast liegt oft bei demjenigen, der sich auf Notwehr beruft, und widersprüchliche Zeugenaussagen erschweren den Nachweis. Die Verhältnismäßigkeit der Gegenreaktion ist das schwierigste Kriterium, das vor einem Richter zu beweisen ist.
Ein Faustschlag bleibt ein rechtlich schwerwiegender Akt, unabhängig von der erlittenen Provokation. Die Unterscheidung zwischen Angreifer und Verteidiger hängt von faktischen Details ab, die nur ein Gericht entscheiden kann. Sich bewusst zu machen, dass die strafrechtliche Qualifikation, die verschärfenden Umstände und die Folgen für das Strafregister ab dem ersten ausgeführten Schlag gelten, ermöglicht es, das tatsächliche Ausmaß des eingegangenen Risikos zu erkennen.